Treffen mit einem geborenen Mosaizisten: Michel Patrizio

Mit 67 Jahren zeigt uns der renommierte Mosaizist Michel Patrizio mitten in der ältesten Werkstatt von Marseille die Früchte seiner 40-jährigen Erfahrung. Widmen wir uns dem untypischen Werdegang unseres Landsmannes, der mittlerweile zu den bedeutendsten Persönlichkeiten seines Berufsstands gehört.
Von Mélissa Darré

Mosaik, eine Berufung?

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Mosaik ein sehr geschätztes Handwerk, das gewissermaßen Bestandteil von Friaul-Julisch Venetien, einer ärmlichen Region im Nordosten Italiens, war. Meine Großeltern stammen aus dieser Region, genauer gesagt aus dem Dorf Sequals, in dem wahre Wunderwerke auf diesem Gebiet entstanden sind. Damals sprach man nicht von Mosaizisten, sondern von „Terraziere“.

Zu dieser Zeit gab es weltweit eine enorme Auswanderungswelle. Mein Großvater Ettore kam 1903 nach Marseille, viele andere gingen lieber nach Nîmes, Reims oder Paris. Dann haben sie sich gegenseitig in meiner Familie ausgebildet, und das über mehrere Generationen hinweg. Heute führen meine Töchter das Geschäft weiter.

Zu Beginn wollte ich eher in der Mechanik tätig sein. Aber mit der Zeit habe ich die künstlerische Seite dieses Berufs neu entdeckt und nie wieder damit aufgehört. Als ich in den 70er Jahren anfing, waren alle auf die industrielle Mosaikgestaltung fokussiert. Davon ließ ich mich nur inspirieren, um mich in puncto dekorative Mosaikgestaltung immer auf dem neuesten Stand zu halten. Und das hat mir gefallen: die dauerhafte Schaffung von Kreationen.

Ein Tipp für alle zukünftigen Mosaizisten?

Die Leidenschaft ist das Wichtigste: Wenn man nicht mit Begeisterung dabei ist, wird man nicht lange durchhalten, weil mit diesem Beruf viele Probleme einhergehen. Zum einen handelt es sich um eine einnehmende und körperlich anspruchsvolle Arbeit. Man kann Stunden an einem einzigen Werk verbringen. Das erfordert viel Konzentration, und darüber hinaus ist es nicht immer einfach, diesen Beruf mit der Familie in Einklang zu bringen.

Außerdem verdient man in diesem Beruf ziemlich schlecht seinen Lebensunterhalt, wenn man nicht Teil eines Unternehmens ist, das über Referenzen und einen Kundenstamm verfügt. Man muss zu Beginn eine Nebentätigkeit ausüben, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Die Mosaikgestaltung behandelt man als Hobby, um seine Leidenschaft auszuleben, ohne dabei an die finanzielle Seite denken zu müssen.

Ein bedeutendes Werk?

Alle Kreationen sind schön, aber einige haben mir entweder aufgrund der Themenauswahl oder aufgrund des Kunden selbst besser gefallen. Meine Lieblingskreation ist und bleibt der Boden des Innenpools auf der Jacht von König Fahd von Saudi-Arabien im Jahr 1983, der wie ein persischer Teppich angefertigt wurde. Es war ein außergewöhnliches Werk, das auf einer Schiffswerft in England innerhalb von einem Monat fertiggestellt wurde.

Die Restaurierung von Notre-Dame-de-la-Garde mit ihren Mosaiken, die Ende des 19. Jahrhunderts zu den schönsten ihrer Art gehörten, bleibt ebenfalls ein unvergessliches Ereignis. Dabei muss man wissen, dass diese Fresken von venezianischen Handwerkern aus der Region Friaul-Julisch Venetien realisiert wurden. Für mich war es wie eine Rückkehr zu den Wurzeln. Es war sehr bewegend, die Arbeit meiner Landsleute zu restaurieren.

www.mosaiques-patrizio.com

Michel und seine Töchter Celine und Marjorie
Michel und seine Töchter Celine und Marjorie
Michel Patrizio mitten in der ältesten Werkstatt von Marseille die Früchte seiner 40-jährigen Erfahrung
© Michel Patrizio
Die dekorativen Mosaik
Die dekorativen Mosaik
"Alle Kreationen sind schön, aber einige haben mir entweder aufgrund der Themenauswahl oder aufgrund des Kunden selbst besser gefallen"
© Michel Patrizio
Die Restaurierung von Notre-Dame-de-la-Garde
Die Restaurierung von Notre-Dame-de-la-Garde
"Die Restaurierung von Notre-Dame-de-la-Garde mit ihren Mosaiken, die Ende des 19. Jahrhunderts zu den schönsten ihrer Art gehörten, bleibt ebenfalls ein unvergessliches Ereignis"
© Michel Patrizio

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